Der Einsatz von Versicherungen mit Vermögensverwaltungsmandat

Die FinCampus-Initiative der Deutsche Wertpapiertreuhand begrüßte am 20. Juni 2018 Torge Mühlpfordt am Firmensitz in Herzogenaurach. Torge Mühlpfordt ist Vermögensverwalter und luxemburgischer Versicherungsmakler und sprach in seinem Webinar über den praxisorientierten Einsatz von Versicherungen mit Vermögensverwaltungsmandat.

Die Deutsche Wertpapiertreuhand stellte dem Senior Partner Torge Mühlpfordt im Anschluss an den Vortrag einige Interviewfragen zum Veranstaltungsthema. Das Interview führte Kevin Höhn.


Herr Mühlpfordt, was ist eigentlich ein vermögensverwaltender Versicherungsvertrag?

Leider hat der Gesetzgeber diesen eigentlich sehr passenden Begriff gewählt, um steuerschädliche Ausprägungen von Versicherungsvarianten zu klassifizieren. Damit sind insbesondere Versicherungen gemeint, auf deren Verwaltungen der Kunde aktiven Einfluss hat. Fondsgebundene Kapitalversicherungen, bei denen der Versicherer einen professionellen Vermögensverwalter mit der Betreuung des Deckungsstocks beauftragt, sind jedoch nicht nur zulässig, sondern ausdrücklich vom Gesetzgeber erwünscht. Nennen wir sie zur Verdeutlichung Versicherungen mit Vermögensverwaltungsmandat.


Welchen Nutzen hat der Kunden von einer solchen Versicherung?

Das kommt auf den individuellen Kundenbedarf an, dem man mit maßgeschneiderten Versicherungslösungen entsprechen kann. In jedem Fall profitiert der Kunde von einem steuerlich anerkannten Versicherungsrahmen, der mit einer professionellen Vermögensverwaltung kombiniert wird. Steuerlich erzielt man so für den Mandanten mindestens einen Thesaurierungseffekt, doch auch Einkommen- und/oder Erbschaftssteuerfreiheit sind möglich. Neben der guten Vermögensanlage kann der Kunde zeitgleich Nachfolge- und Versorgungsthemen einfach und ohne Notarkosten mit gleichzeitig hoher Flexibilität umsetzen.


Welche Rolle spielt in diesem Kontext der Vermögensverwalter?

Sämtliche luxemburgische Versicherer sehen ihre Kompetenz eher im reinen Versicherungsgeschäft. Daher vergeben sie das Mandat der Vermögensverwaltung für einzelne Mandate oder auch interne Versicherungsfonds mit mehreren Mandanten standardmäßig an externe anerkannte Vermögensverwalter.

Der beauftragte Vermögensverwalter erhält somit ein institutionelles Mandat, das er im Rahmen der flexiblen luxemburgischen Regeln zur Diversifikation betreut. Dabei kann er seine bestehenden Strukturen, wie z. B. seine deutsche Depotbank, in gewohnter Weise nutzen. Ein solches institutionelles Mandat bedeutet für den Vermögensverwalter geringere Beiträge zur Entschädigungseinrichtung sowie geringere regulatorische Auflagen.


Welche Vor- und Nachteile entstehen hierbei für Kunden und Vermögensverwalter?

Der Kunde erhält ein sehr flexibles und steuereffizientes Instrument der Lebensplanung, bei dem ein professioneller Vermögensverwalter für die Wertentwicklung sorgt. In seiner jährlichen Steuererklärung muss er außer einem Kreuz bei Dauerhafte Beziehung zu ausländischen Finanzinstituten nichts weiter anpassen – sofern er keine (Teil-) Auszahlungen vorgenommen hat.

Nachteilig kann die tendenziell langfristige Bindung sein. Diese ist zwar aufgrund der Vorsorge- und Nachfolgethemen vom Kunden gewollt, dennoch können bei unvorhersehbarem Finanzbedarf kurz nach Vertragsabschluss Wertverluste auftreten.

Auch die Anforderungen an den Vermögensverwalter reduzieren sich durch das institutionelle Mandat. Gleichzeitig kann der Vermögensverwalter mit dem Estate-Planning-Ansatz andere Themen bei Kunden ansprechen und langfristig an sein Haus binden. Da auch Einzeltitel grundsätzlich einsetzbar sind, kann der Vermögensverwalter die Wahl der Assets im Versicherungsmandat auch auf ansonsten nicht anbietbare Anlageklassen ausdehnen, z.B. auf Schuldscheindarlehen. Allerdings wird beim Versicherungsmandat unter Umständen nicht dieselbe Gebühr wie bei der Vermögensverwaltung durchsetzbar sein. Im Gegenzug betreut der Vermögensverwalter jedoch ein langfristig berechenbares Mandat.


Versicherungen mit Vermögensverwaltungsmandat sind vor allem im Ausland bekannt: Gibt es solche Verträge auch in Deutschland? Welche Bedingungen sind speziell in Deutschland gegeben?

In Deutschland werden lediglich fondsgebundene Versicherungen im klassischen Sinne angeboten. Der Kunde kann dabei seine Anlagen aus einer Liste zugelassener Retailfonds wählen. Insbesondere Luxemburg und Liechtenstein sind bekannt für fondsgebundene Versicherungen, bei denen ein Vermögensverwalter mandatiert wird. Dieser kann – mandatsabhängig – in Fonds, Einzelaktien, Einzelrenten, Private Equity, Hedgefonds und ähnliche Werte investieren. Fondsgebunden meint hier, dass eine Diversifikation ähnlich der Fondsstreuung vorgenommen wird.

Bei den luxemburgischen Verträgen kann der Kunde zudem in allen Belangen sicher sein, EU-Recht beanspruchen zu können – auch in schwierigen politischen Situationen. Steuerlich genügen die Verträge ebenfalls vollumfänglich den deutschen Anforderungen.


Lebensversicherungen haben im Moment einen schlechten Stand bezüglich Kosten: Wie sehen die Vergleichskosten bei vermögensverwaltenden Versicherungsverträgen aus?

Fondsgebundene Versicherungen werden tatsächlich mehrheitlich als teuer dargestellt, daran ist die Industrie natürlich nicht unschuldig. Insbesondere in früheren Jahren haben hohe Initialkosten für den Vertrieb sowie teure Fondsprodukte aus den Konzernen solche Policen belastet. Da die Wertentwicklung entsprechend schlecht war, konnte der Kunde nicht zufrieden sein. Im Segment ab 250.000 Euro, ab dem Versicherungen mit Vermögensverwaltungsmandat angeboten werden, hat aber schon lange ein Umdenken stattgefunden. Zum Teil hat hier auch MiFID II einen positiven Effekt für den Kunden erzielt.

Ein als Honorar-Anlageberater tätiges Institut bringt zudem sehr vorteilhafte Strukturen für Mandanten mit, von denen ein Versicherungsmandat profitiert: Die Depotbanken kehren standardmäßig Kickback-Gebühren aus Fonds wieder aus oder es werden günstige institutionelle Fondstranchen erworben. Ein Mandat mit Einzeltiteln kostet immer weniger als eine klassische Fondspolice, bei der Vertriebsstrukturen mit Anreizen belohnt werden müssen.

Bezüglich der Versicherung entstehen dem Kunden einmalig Initialkosten für das rechtssichere Aufsetzen der Police und das Ausfüllen des bis zu hundertseitigen Antrages durch den Makler. Diese Tätigkeiten werden aufwandsgerecht berechnet und liegen in der Regel zwischen 0,5 Prozent und 1 Prozent.

Die laufenden jährlichen Vertragskosten umfassen die Versicherungskosten und die vorgeschriebene Betreuung durch den Makler. Als Daumengröße für einen Betrag ab 250.000 Euro lassen sich etwa 0,6 Prozent bis 0,7 Prozent veranschlagen. Diese wie auch die Kosten des Vermögensverwalters werden auf Policen-Ebene vollumfänglich steuermindernd berücksichtigt. Hinzu kommen künftige Steuervorteile bis hin zur Einkommensteuer- bzw. Erbschaftssteuerfreiheit und der Entfall teurer Notarkosten für Nachlassplanung. Etwaige Rückversicherungskosten zur Absicherung eines Todesfallrisikos werden ohne Aufschlag durchgereicht. Sie sind, z. B. durch mögliche Wartefristen, mehrere versicherte Personen oder mögliches Abschmelzen der Versicherungsleistung eher als gering anzusehen.

Somit kann ein Honorarberater, der nicht auf Zuwendungen Dritter angewiesen ist, Versicherungen mit Verwaltungsmandat transparent und günstig anbieten und sich vortrefflich vom breiten Markt als Premiumanbieter absetzen. Gegebenenfalls erlauben diese Kostenvorteile auch die Ansprache bestehender, teurer Verträge und somit die Gewinnung neuer Mandate.

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